Glossar Reiseversicherung

Fachbegriffe aus dem Reise- und Versicherungsumfeld. Präzise definiert, mit Anwendungsbeispielen aus der Praxis.

Versicherungsbedingungen stecken voller Fachbegriffe, die im Alltag kaum jemand braucht, bis es darauf ankommt. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe rund um Reisekranken-, Auslandskranken- und Reiserücktrittsversicherung in klaren Worten, jeweils mit einem Beispiel aus der Praxis. Viele dieser Begriffe, etwa Sublimit oder Stornostaffel, tauchen erst im Kleingedruckten auf. Hier stehen sie an einem Ort.

So nutzt du das Glossar

Die Begriffe sind in vier Bereiche sortiert. „Recht & Aufsicht“ erklärt, wer dir eine Versicherung vermittelt und in wessen Auftrag. „Leistung & Klausel“ zeigt, was eine Versicherung zahlt und wo Ausschlüsse greifen. „Tarif & Vertrag“ beschreibt die Bausteine, die den Preis und den Umfang eines Tarifs bestimmen. „Reise & Praxis“ hilft, wenn unterwegs tatsächlich etwas passiert. Jede Karte führt zu einer ausführlichen Erklärung. Besonders nützlich ist das Glossar, wenn du Tarife vergleichst oder deine Police vor der Abreise noch einmal durchgehst.

Vier Begriffe, die du kennen solltest

Die Deckungssumme ist der Höchstbetrag, den die Versicherung übernimmt. Achte darauf, ob sie pro Versicherungsfall oder pro Versicherungsjahr gilt.

Der Rücktransport ist oft der teuerste Posten einer Erkrankung im Ausland. Entscheidend ist, ob dein Tarif ihn nur bei „medizinisch notwendig“ oder schon bei „medizinisch sinnvoll“ bezahlt.

Die Vorerkrankungsklausel regelt, wie mit Erkrankungen umgegangen wird, die schon vor Reisebeginn bestanden. Manche Tarife leisten bei einer akuten Verschlimmerung trotzdem.

Der Selbstbehalt ist der Betrag, den du im Schadensfall selbst trägst. Ein höherer Selbstbehalt senkt den Beitrag, kostet dich im Ernstfall aber mehr.

Die übrigen Begriffe findest du unten, sortiert nach Bereich.

Recht & Aufsicht

Leistung & Klausel

AmbulanzflugEin Ambulanzflug ist der medizinisch ausgestattete Rückflug eines erkrankten oder verletzten Reisenden, typisch in einem Lear Jet oder einer Linienmaschine mit Intensivbettenmodul. Begleitet von Arzt und Krankenpfleger. Im Ambulanzjet kostet ein Rücktransport aus Südostasien rund 95.000 bis 130.000 Euro, aus Nord- und Südamerika 180.000 bis 200.000 Euro, aus Australien und Neuseeland bis zu 400.000 Euro. Deutlich günstiger wird es, wenn der Zustand einen Liegendtransport in der Linienmaschine zulässt: dann liegen die Kosten oft im niedrigen fünfstelligen Bereich. Die Reisekrankenversicherung übernimmt diese Kosten, wenn der Rücktransport medizinisch notwendig oder bei guten Tarifen medizinisch sinnvoll ist.DirektabrechnungBei der Direktabrechnung rechnet das Krankenhaus oder die Klinik direkt mit der Versicherung ab, der Patient muss nicht in Vorkasse gehen. In Asien und USA üblich für gut vorbereitete Tarife. Funktioniert mit einem Letter of Guarantee: die Versicherung schickt dem Krankenhaus die Kostenzusage. Vorteil: keine Liquiditätsbelastung des Patienten in der Notlage. Nachteil: nur bei bestimmten Partner-Kliniken möglich. Bei Notfällen außerhalb des Partner-Netzes bleibt es bei der klassischen Vorkasse plus Erstattung.EU-KarteDie Europäische Krankenversicherungskarte ist die Versicherungskarte der gesetzlichen Krankenkasse für Reisen in EU, EWR und Schweiz. Sie sichert die Behandlung im öffentlichen Gesundheitssystem zum lokalen Sachleistungsniveau. Nicht abgedeckt: Privatkliniken, Privatpatient-Aufpreise, Rücktransport nach Deutschland und Selbstbeteiligungen die im Zielland üblich sind. Wer in einem EU-Land nur in einer Privatklinik behandelt werden kann oder will, trägt die Differenz selbst. Eine zusätzliche Reisekrankenversicherung schließt diese Lücken.RisikosportartenRisikosportarten sind Aktivitäten, die in Standard-Reisekrankenversicherungen nicht oder nur eingeschränkt versichert sind. Typisch ausgeschlossen: Bungee-Jumping, Fallschirmspringen, Wildwasser-Rafting, Klettern ab bestimmten Schwierigkeitsgraden, Höhenbergsteigen über 5.000 Meter. Auch Motorrad und Tauchen sind oft separat geregelt. Wer solche Aktivitäten plant, braucht entweder einen Spezial-Tarif (z.B. Abenteuer- oder Adventure-Tarif) oder eine ergänzende Sportversicherung. Im Schadensfall reicht ein Pauschal-Ausschluss zum Komplett-Ablehnen.RücktransportDer medizinisch begleitete Transport eines erkrankten oder verletzten Reisenden zurück nach Deutschland. In Tarifen findet sich entweder die Formulierung medizinisch notwendig (Standard, Versicherung zahlt nur wenn Behandlung am Reiseort unmöglich oder lebensgefährlich) oder medizinisch sinnvoll (besser, deckt auch Fälle ab wo Heimbehandlung schneller oder effektiver wäre). Die Differenz ist im Ernstfall entscheidend, weil ein Ambulanzjet aus Südostasien rund 95.000 bis 130.000 Euro kostet.SchwangerschaftsklauselDie Schwangerschaftsklausel regelt, ob und wann Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen versichert sind. Standard-Reisekrankenversicherung deckt Komplikationen bis Schwangerschaftswoche 28, manche bis 32 oder 35. Eine planmäßige Geburt ist nie abgedeckt. Auslandskrankenversicherung für längere Aufenthalte hat oft einen kompletten Schwangerschaftsausschluss. Frühgeburten als Notfall sind meist trotzdem gedeckt. Wer im 8. oder 9. Monat reist, hat häufig keine Reiseversicherung mehr.VorerkrankungsklauselEine Klausel, die bereits vor Reisebeginn bestehende Krankheiten vom Versicherungsschutz ausschließt. Bei Reisekrankenversicherungen Standard: alles was vor Antritt diagnostiziert oder behandelt wurde, ist nicht abgedeckt. Wichtige Sonderklausel akute Verschlimmerung: einige Tarife zahlen, wenn eine bekannte chronische Erkrankung sich akut verschlimmert und Notfallbehandlung nötig wird. Praktisch betroffen sind häufig Bluthochdruck, Diabetes, Asthma. Klare Abfrage beim Tarif vor Abschluss lohnt sich.

Tarif & Vertrag

Auslandsreisekrankenversicherung vs. AuslandskrankenversicherungAuslandsreisekrankenversicherung ist die Kurz-Variante für Urlaube bis maximal 56 Tage pro Reise. Das Versicherungsjahr deckt mehrere Reisen ab, eine einzelne Reise darf 56 Tage nicht überschreiten. Auslandskrankenversicherung ist die Lang-Variante für durchgehende Auslandsaufenthalte von 2 bis 12 Monaten. Typisch für Work and Travel, Auslandssemester oder Sabbatical. Wer länger als 12 Monate bleibt oder dauerhaft auswandert, braucht eine internationale Krankenversicherung. Das ist ein dritter Produkttyp.DeckungssummeDie Deckungssumme ist der Höchstbetrag, den die Versicherung pro Schadensfall oder Versicherungsjahr übernimmt. Bei Reisekrankenversicherungen ist eine unbegrenzte Deckungssumme der beste Standard, weil ein Ambulanzjet aus Übersee sechsstellig wird, aus Australien bis zu 400.000 Euro, und intensivmedizinische Behandlung in den USA ebenfalls leicht sechsstellig ausfällt. Eine Deckungssumme von 100.000 Euro klingt viel, reicht im US-Notfall aber oft nicht. Achte auf die Formulierung: pro Versicherungsfall ist besser als pro Versicherungsjahr.FamilientarifEin Familientarif versichert mehrere Personen, also Eltern plus Kinder, zu einem reduzierten Gesamtpreis. Typisch sind Kinder bis 17 oder 21 Jahre kostenfrei mitversichert. Variationen: Eltern-Kind-Tarif für ein Elternteil mit Kindern, Lebensgemeinschaft für unverheiratete Paare. Vorteil gegenüber Einzeltarifen: 30 bis 60 Prozent Ersparnis. Achtung: volljährige Kinder brauchen oft einen eigenen Tarif. Alleinerziehende sollten prüfen, ob ihr Tarif auch ohne zweiten Elternteil als Familie gilt.GeltungsbereichDer Geltungsbereich legt fest, in welchen Ländern der Versicherungsschutz gilt. Typische Stufen sind Europa, Welt ohne USA und Kanada, weltweit komplett. Letzteres ist 30 bis 100 Prozent teurer als Welt ohne USA und Kanada, weil die Behandlungskosten dort fünf- bis zehnmal höher sind. Manche Tarife haben zusätzliche Ausschlüsse für Kriegs- oder Hochrisikogebiete. Achtung beim Stopover: wer in den USA umsteigt, ohne USA-Schutz, ist im Flughafen-Notfall nicht abgedeckt.Reiserücktritt vs. ReiseabbruchBeide Begriffe meinen unterschiedliche Phasen einer Reise. Reiserücktritt bedeutet: du stornierst die Reise vor Abreise, weil ein versichertes Ereignis eintritt wie schwere Krankheit, Todesfall oder Jobverlust. Die Versicherung übernimmt die Stornokosten. Reiseabbruch bedeutet: du bist bereits unterwegs und musst die Reise vorzeitig beenden. Die Versicherung übernimmt die nicht genutzten Reiseleistungen plus eventuell die Mehrkosten der vorzeitigen Heimreise. Gute Tarife decken beides ab. Billige Tarife decken oft nur den Reiserücktritt.SelbstbehaltDer Selbstbehalt ist der Betrag, den du im Schadensfall selbst trägst, bevor die Versicherung leistet. Ein höherer Selbstbehalt senkt die Jahresprämie, kostet dich aber im Ernstfall mehr aus eigener Tasche. Wichtig zu unterscheiden: pro Versicherungsfall oder pro Reise oder prozentual.StornostaffelDie Stornostaffel legt fest, welcher Prozentsatz des Reisepreises bei Rücktritt fällig wird, abhängig vom Zeitpunkt vor Abreise. Typisch bei Pauschalreisen: bis 30 Tage vorher 25 bis 40 Prozent, bis 14 Tage 50 bis 60 Prozent, bis 7 Tage 70 bis 80 Prozent, ab Reiseantritt 80 bis 100 Prozent. Die Reiserücktrittsversicherung erstattet diese Gebühren bei versicherten Ereignissen. Wichtig zu wissen, weil bei späten Stornos die Versicherung die größten Beträge übernimmt.SublimitEin Sublimit ist eine niedrigere Höchstgrenze für eine bestimmte Leistungsart innerhalb der allgemeinen Deckungssumme. Beispiel: Gesamtdeckung 1 Million Euro, aber Zahnbehandlung maximal 250 Euro pro Fall, Brillenersatz maximal 100 Euro. Achtung: viele Tarife werben mit hoher Deckungssumme, haben aber Sublimit-Fallen bei spezifischen Leistungen, die im Kleingedruckten stehen. Wichtig zu prüfen: Zahnersatz, Schwangerschaftsleistungen, psychotherapeutische Behandlung, Hilfsmittel.WartezeitEine Wartezeit ist der Zeitraum zwischen Vertragsabschluss und Beginn des Versicherungsschutzes. Bei Reisekrankenversicherungen typisch keine Wartezeit: Abschluss heute, Reise morgen, voll versichert. Bei Reiserücktrittsversicherung gibt es oft eine Wartezeit von 24 bis 72 Stunden, damit Reisende nicht erst nach Auftreten eines Stornorisikos noch schnell abschließen können. Auslandskranken hat meist keine Wartezeit. Wichtig zu prüfen bei kurzfristigem Abschluss.

Reise & Praxis